Liebeserklärung an den F.C. Hansa Rostock ( Janosch 2008 - Hansa-Community)
Es ist der 14. August 1991. Mein Vater kommt nach Hause und erklärt mir, er möchte mich gerne überraschen. Wir setzen uns ins Auto und fahren auf der A19 in Richtung Rostock. Ich bin aufgeregt und kann es nicht erwarten. Ich hoffe, dass wir uns Hansa anschauen, aber da ich noch nie im Ostseestadion war, wage ich nicht den Gedanken zu Ende zu bringen. Wir passieren das Ortseingangsschild und fahren in Richtung Zentrum. Als wir den Bahnhof hinter uns lassen, biegen wir in Richtung Südstadt ab. Ich möchte vor Freude Luftsprünge machen, denn jetzt gibt es keinen Zweifel mehr. Wir parken unseren Skoda S100 und mein Vater hält mir zwei Eintrittskarten unter die Nase. Ich strahle wie ein Honigkuchenpferd.
Endlich erreichen wir das Ostseestadion und ich stehe zum ersten Mal in meinem Leben auf dem obersten Rang. Ich werde den Anblick nie vergessen. Ich habe noch nie zuvor so viele Menschen gesehen. Hansa spielt an diesem Tag gegen Borussia Dortmund. Die Namen Rummenigge, Povlsen, Helmer und Chapuisat kenne ich natürlich. Aber meine Helden heißen März, Alms, Straka, Weichert, Dowe und Wahl. Eigentlich wurde vorher nur über die Höhe von Hansas Niederlage gerätselt. Aber als der Schiri nach 90 Minuten abpfeift sieht Herr Hitzfeld sehr bedient aus und Hansa hat 5:1 gegen eine Millionentruppe gewonnen. Ich würde sagen, seit diesem Tag trage ich die Kogge in meinem Herzen. Das ich als Hansa-Fan fähig sein muss mehr Leid als Freude zu ertragen, haben mich die letzten 17 Jahre gelehrt. Und ehrlich gesagt habe ich mich auch gelegentlich gefragt, warum wir an diesem Tag im August nicht nach Hamburg oder Bremen fuhren. Vielleicht wäre mir einiges erspart geblieben.
Aber wenn ich in schwierigen Zeiten in einer ruhigen Minute über "meine" Kogge nachdenke, komme ich zu dem Ergebniss, dass mich gerade diese Unregelmäßigkeit, diese Unfähigkeit über längere Zeiträume gute Leistungen abrufen zu können fasziniert. Ein Aufstieg in die 1. Liga ist doch nur deshalb so schön, weil es nicht selbstverständlich ist, sich mit den 17 besten Mannschaften Deutschlands zu messen. Und weil es bei Hansa auch zur Normalität gehört, in der zweiten Liga am Ende der Saison nur 3 Punkte von einem Abstiegsplatz entfernt in die Sommerpause zu gehen. Versteht mich nicht falsch, ich mache während dieser Erfahrungen vor Freude keine Luftsprünge. Aber nur wer den Verlust kennt, kann sich am Gewinn wahrhaftig freuen.
Hansa Rostock ist nicht der Trainer, die Spieler oder die Vereinsführung. Hansa ist eine Idee, ein schöner Gedanke der in den Köpfen der Fans entsteht. Hansa ist Identifikation und Heimat. Das sollte bedacht werden, wenn derzeit über das Für und Wieder der aktuellen Situation gestritten wird. Hansa wird wiederkehren wie schon viele Male zuvor. Und den überheblich lächelnden Fußballfachleuten sei gesagt, dass sie sich nicht wundern sollen, wenn sich eines Tages wieder funkelnde Enterhaken in die Bordwand ihres ach so geliebten Bundesligaclubs bohren. Ja reibt euch die Augen, denn ihr seht richtig, die rote Kogge unter blauem Segel ist wieder auf Beutefang. Und sollte nach dem letzten Spiel gegen Fürth auch die eine oder andere Träne kullern, wenn mich jemand fragt wessen Fan ich bin --- ein Hansa-Fan, tausendmal... |